| Rotary Clubfahrt 26.09.-28.09.2008 |
Industrie und Kultur im Ruhrgebiet
Am 26.09.2008 brachen Freundin Liebetrau und die Freunde Homberger, Kössel, Scholland und Vogel jeweils mit Partner in Apolda auf, um sich auf den Weg in das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands, nach Nordrhein-Westfalen zu begeben.
Erster Anlaufpunkt war die Stadt Werne

Bilder aus Werne von links nach rechts: Kapuzinerkloster, Motivspringbrunnen, Altes Steinhaus, Gotisches Rathaus, Erklärung der Kirchturmuhr
Ein Ort, der vor fast 650 Jahren Stadtrechte erhielt und später zum Hansebund gehörte. Die Fahrt dahin dauert wegen einiger Staus zwar länger als geplant, aber heil angekommen, konnte man sich bei einer ausgedehnten Stadtführung intensiv die Beine vertreten. Die Stadtführung führte zum örtlichen Kapuzinerkloster und in die Klosterkirche, entlang der leider nur noch in wenigen Stücken vorhandenen Stadtmauer in die Altstadt mit ihrer mit Fachwerkhäusern und einigen Springbrunnenskulpturen. Vorbei an dem ersten Steinhaus der Stadt (heute Stadtbücherei) ging es dann zum Hauptmarktplatz mit dem gotischen Rathaus und dem dahintergelegenen Kirchplatz. Der Kirchplatz ist umgeben von sogenannten Wärmehäusern, die von den Bauern genutzt werden konnten, wenn sie nach dem sie Ihre Waren auf dem angrenzenden Roggenmarkt feilgeboten hatten, um sich insbesondere im Winter etwas aufzuwärmen.
Im Anschluss an diese Stadtführung wurde die Hauptkirche St. Christopherus besichtigt. Obwohl Christopherus der Status des Heiligen verloren hat, konnte dieser Name für die Kirche beibehalten werden. Die Kirche selbst ist teilweise im romanischen, teilweise im gotischen Baustil errichtet und steht mit ihren Fundamenten auf den Resten von Vorgängerbauten. Als besondere Ehre wurde uns die Besteigung des Kirchturms ermöglicht (nur unter fachkundiger Leitung des Küsters und mit Genehmigung des Kirchenvorstandes) , von dem aus man einen schönen Rundblick über die Stadt hat. Leider war durch die verlängerte Anreise dieser Blick durch die einbrechende Dunkelheit beeinträchtigt.
Nach der Turmbesteigung hatten dann alle den nötigen Hunger um bei einem guten Abendessen im Hotel am Kloster den Abend mit netten Gesprächen ausklingen zu lassen.
Die Ruhephase vor dem nächsten Tag war auch nötig, da hier ein strammes Programm angesagt war. Nach dem Frühstück ging es mit zwei Fahrzeugen zuerst zur Zeche Zollern, Bestandteil der Route Industriekultur des Ruhrgebietes. Sie trägt die Bezeichnung:
Das Schloss der Arbeit
Warum dies so ist zeigen die Bilder.

Bilder Zeche Zollern: Zecheneingang, Zahlhalle, Fördergerüst
Eine sehr versierte Führerin machte uns mit dem Alltag, den Sorgen und Nöten der Bergleute bekannt. Besonders beeindruckend waren die Ausführungen zu den psychologischen Besonderheiten der Gebäudeanlage. So waren im Zahlraum die Auszahlschalter des Lohns so angeordnet, dass sich die Bergleute immer bücken mussten, um ihr Geld in Empfang zu nehmen. Eine vorprogrammierte Verbeugung vor dem Zechenherren. Ebenso war die Eingangshalle zur Waschkaue wie eine Kathedrale angelegt, was ebenfalls den Bergmann beeindrucken sollte. Es gab eine Krankenstube in der verletzte Bergleute behandelt werden konnten, die aber so angelegt war, dass sie außerhalb des eigentlichen Werksgeländes lag. Der Grund bestand darin, dass Hinterbliebene von Bergleuten nur dann eine Rente bekamen, wenn der Bergmann auf dem Zechengelände ums Leben kam. Wer also in der Krankenstube verstarb, brachte seine Angehörigen um die Rente. Die Zeche wurde 1898 von der Gelsenkirchener Bergwerks AG eingeweiht und galt als Musterzeche. Sie erhielt 1903 die erste elektrische Fördermaschine der Welt.
Die Zeche förderte bis Ende 1955 und wurde dann nur noch als Fahrschacht benutzt. 1966 fand dann die letzte Seilfahrt statt und zum Glück wurde dieses wunderbare Ensemble 1969 unter Denkmalschutz gestellt. Nach einem kleinen Mittagsimbiss im alten Pferdestall der Zeche ging es dann weiter zur Kokerei Hansa.
Die letzte erhaltene Kokerei aus den 1920er Jahren.
Die Führung übernahm ein pensionierter Mitarbeiter der Kokerei, der mit viel Fachwissen und etlichen Anekdoten den Weg durch Gelände bereicherte. Diese Kokerei wurde früher im Produktionsverbund mit Bergwerk und Hüttenwerk betrieben.

Kokerei Hansa: Erklärungen durch den Kokerei-Ingenieur, Gichtgasleitung und Kohleförderband, Koksöfen, Maschinenhalle
Sie wurde 1992 stillgelegt und nur wenige Gebäude werden gepflegt, die Natur erobert sich in beeindruckender Weise das Gelände zurück. Nach diesen Wanderungen durch die Industriekultur des Ruhrgebietes war der Abend den kulinarischen Genüssen beim Künstler Koch Franz Lauter im Schloß Nordkirchen vorbehalten.
Schloß Nordkirchen, das westfälische Versailles
Es war früher die Residenz des Bischofs von Münster, heute eine Fachhochschule für Finanzbeamte. Mehr braucht man über die Nutzung dieser wunderschönen, großzügig, mit eigener Schwimmhalle Schloßanlage nicht zu sagen.

Schloß Nordkirchen: Schloß, Eingang zum Schloßrestaurant, die „künstlerische“ Nachspeise
Während unseres Abendessens konnten wir noch Teile der Dreharbeiten des ZDF-Mehrteilers über „Die Krupps“ mit verfolgen. Nach dem Gaumengenuss führte der Weg zurück ins Hotel und müde sanken alle in die Betten, denn auch für den nächsten Tag gab es noch einen interessanten Besuchspunkt.

„Arena auf Schalke“, die Kathedrale des Fußballs (einziges Stadion mit integriertem Andachtsraum)
Nach einem umfangreichen Rundgang unter kundiger Führung einer Fachfrau, wurden alle Daten und Fakten erläutert. Auch die ewige Rivalität zwischen „Lüdenscheid Nord“ (Borussia Dortmund) und Schalke 04 wurde nicht ausgespart.
Nach diesem „sportlichen“ Höhepunkt wurde die Heimfahrt angetreten, die dann zum Glück ohne Stau alle Teilnehmer wieder gesund und munter nach Apolda brachte.
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